Die Gründung
Am 24. August 1868 wurde unsere Pferdeversicherung in Altnau gegründet. Obwohl die Protokolle der ersten Jahrzehnte fehlen, geht aus den Geschäftsberichten hervor, dass die Herren
U. Haffner, Friedensrichter in Altnau
Dr. med. Bridler in Altnau
Jul. Widmer, Kantonsrat in Herrenhof
Ulrich Helg, Tierarzt in Güttingen
J. Altwegg, Kommandant in Bottighofen
Kd. Schwank, Neuhof in Altnau
die lnitianten für den Zusammenschluss der Pferdebesitzer, um sich durch die Schaffung einer Versicherungskasse vor grösseren Schaden zu schützen, waren. Um die Bedeutung zu ermessen, die das Pferd zu jenen Zeiten hatte, setze man sich in das Gründungsjahr zurück. Die Bahnen waren noch wenig ausgebaut, die Transporte auf den Wasserwegen nur bedingt durchführbar, an Autos und Flugzeuge dachte man noch nicht. Die Postkutsche als Beförderungsmittel für Personen, der Brücken- und Leiterwagen für den Güterverkehr und die Chaise oder der Jagdwagen für den Mediziner, den Tierarzt oder die Feudalen, das waren die damaligen Verkehrsmöglichkeiten.
Der Versicherungsgedanke war zu jener Zeit bei uns noch nicht ausgeprägt. Es haben damals hauptsächlich französische und deutsche Gesellschaften diese Geschäfte betrieben.
Es bleibt in diesem Zusammenhang besonders bemerkenswert, dass in der Ostschweiz einzig die Genossenschaft Wigoltingen der Genossenschaft Seetal um ein Jahr vorausging. Die Idee und die Tatkraft des Zusammenschlusses war also nicht eine müssige Nachahmerei, sondern eine Pionierarbeit in der Entwicklung zur Selbsthilfe.
Die rasche Entwicklung in den nachfolgenden Jahren haben den Beweis der Zweckmässigkeit dieser Institution erbracht.
Das Einzugsgebiet erstreckte sich bei der Gründung auf die Gemeinden Altnau, Güttingen, Kesswil, Sommeri und Scherzingen. Die Ausdehnung südwärts bis Berg und westwärts bis Ermatingen-Hattenhausen-Hugelshofen, vollzog sich bis in die Jahre des zweiten Weltkrieges. Eine Stagnation musste zwangsläufig eintreten, weil das Hoheitsgebiet von umliegenden Versicherungen, die sich gegen Ende des letzten Jahrhunderts konstituierten, eingeschlossen wurde und die Landesgrenze nordwärts ohnehin eine Entwicklungsbarrikade darstellt. Diese Gegebenheiten begründen den Umstand, dass die Pferdeversicherung Seetal flächenmässig auf das Einzugsgebiet ausgedrückt wie bestandesmässig in Bezug auf Anzahl versicherter Pferde und Anzahl Mitglieder die kleinste Versicherungsgesellschaft seit jeher war und geblieben ist. Eine seriöse und vor allem uneigennützig arbeitende Geschäftsführung sorgte jedoch dafür, dass die finanziellen Bedürfnisse nicht nur zeitlich hinreichend waren, sondern man dachte auch an Krisen- oder Katastrophenjahre und eröffnete zu diesem Zwecke im Jahre 1909 einen Reservefond. Die Gründung eines solchen Fonds findet die erste Anregung bereits im 3. Geschäftsjahr und in periodischen Abständen hat die Verwaltung immer wieder mit Anträgen versucht, den Genossenschaftern eine entsprechende Vorlage abstimmungsreif zu präsentieren. Die Äuffnung des Reservefonds vollzog sich aus jährlichen Einlagen von Fr. 2.-- pro versichertes Pferd und blieb bei Fr. 50'000.- limitiert.
Die Entwicklung
Erst ab 1908 stehen uns Zahlen aus der finanziellen wie bestandesmässigen Entwicklung der Genossenschaft lückenlos zur Verfügung. Teilweise sind diese in einem Jubiläumsbericht zum 75-jährigen Bestehen vom damaligen Präsidenten, Hauptmann Waser, zusammengefasst. Der Anfangsbestand, also im Gründungsjahr 1868, verzeichnet 35 Pferde und 24 Mitglieder.
Die erste Jahresrechnung schliesst mit Fr. 581.62 Einnahmen und Fr. 548.-- Ausgaben mit einem Vermögen von Fr. 33.62 ab.
Den Höchstbestand erreichte die Versicherung im Jahre 1948 mit 642 Pferden, 397 Mitgliedem, einer Schatzungssumme von Fr. 1'473'400.-- und einem Betriebsvorschlag von Fr. 11'898.---.


